Ein Oktopus mit acht wabbeligen Papierketten-Tentakeln sieht aus wie ein Nachmittagsprojekt für Fortgeschrittene, und ehrlich gesagt ist er das auch ein bisschen. Diese Anleitung ist eher für Kindergartenkinder ab fünf und Grundschulkinder gedacht, weil das Schneiden vieler schmaler Streifen richtig viel Handkraft und Konzentration braucht. Ich sag dir genau, wo dein Kind wirklich selbst ran darf und wo du am besten vorher schon die Schere ansetzt.
Der Kopf entsteht: ein großer Kreis aus Tonpapier

Alles beginnt mit einem großen Kreis aus helllila Karton, auf dem der Bleistiftumriss noch gut zu erkennen ist, bevor die Schere ihn wegschneidet. Als Schablone reicht ein Teller oder eine große Schüssel aus der Küche – kein Zirkel nötig.
- Was du vorbereitest: den Kreis mit Bleistift anzeichnen, damit die Linie sichtbar bleibt.
- Was das Kind selbst macht: das Ausschneiden entlang der Linie, wenn die Schere schon länger vertraut ist.
Das übt vor allem die Auge-Hand-Koordination und die Fähigkeit, eine Linie mit der Schere zu verfolgen, statt einfach quer durchs Papier zu schneiden. Bei uns hat Mattis mit vier noch die geraden Linien geschafft, an runden Formen ist er regelmäßig abgekommen – das ist normal, kein Grund, die Schere wegzupacken.
Augen und Wangen: der Oktopus bekommt ein Gesicht

Sobald der Kopf liegt, geht es an die Details, und genau hier wird es für kleinere Kinderhände spannend: Wackelaugen und rosa Papierkreise wollen mit dem Pinzettengriff aus Daumen und Zeigefinger aufgenommen und punktgenau platziert werden.
In der Praxis sag ich Eltern oft: nicht die Schönheit der Platzierung zählt, sondern dass die Finger den Griff überhaupt üben.
Kleber vorher schon auf einen kleinen Teller drücken hilft – so tunkt das Kind selbst hinein, statt die ganze Klebertube zu bedienen. Sitzen die Augen am Ende schief, bleibt der Oktopus trotzdem ein Oktopus, nur mit Charakter.
Mund malen und Flecken aufkleben

Der Mund entsteht als geschwungene Linie mit dem Filzstift, und genau dieser Bogen ist für viele Kinder die erste Übung in Graphomotorik abseits gerader Striche. Die kleinen dunkellila Punkte oben auf dem Kopf sind dagegen eher ein Klebe-Tupf-Spiel: kleine Papierschnipsel aufnehmen, andrücken, fertig.
- Mund: das Kind zieht die Linie, notfalls vorher mit dem Finger in der Luft geübt.
- Flecken: vorgeschnittene kleine Kreise oder Rechtecke aus dunklem Papier, die das Kind selbst verteilt.
Zehn Minuten Konzentration sind hier realistisch, danach darf ruhig eine Pause sein – der Rest wartet.
Streifen und Laschen: der Teil, der Geduld kostet

Für acht Tentakel braucht es viele, viele schmale Streifen, und genau das ist der Moment, an dem ich ehrlich bin: das Schneiden gerader, langer Linien mit gleichmäßiger Breite überfordert die meisten Kinder unter sechs Jahren noch. Bei uns übernimmt das eher der Erwachsene, während das Kind die kurzen rechteckigen Laschen schneidet – die sind kürzer und verzeihen mehr Ungenauigkeit.
- Lange Streifen (für Ketten): etwa 1,5 x 20 cm, gerade Kanten wichtig für die Optik.
- Kurze Laschen (zum Ankleben): etwa 2 x 3 cm, Genauigkeit spielt keine Rolle.
In der Kita-Gruppe teilen sich hier oft zwei Kinder die Arbeit – eins schneidet, eins sortiert, das funktioniert erstaunlich gut.
Aus Streifen werden Ketten

Jetzt kommt der Teil, für den ich diese Idee überhaupt mag: aus einzelnen Streifen echte Papierketten kleben, Ring für Ring, bis vier lange, wabbelige Ketten auf dem Tisch liegen. Ein Streifen wird zur Schlaufe geklebt, der nächste durch die Schlaufe gefädelt, wieder geklebt – und so weiter.
Das übt es wirklich
Das genaue Zusammenkleben zweier Papierenden ohne dass alles verrutscht, ist eine echte Feinmotorik-Übung mit Wartezeit – der Kleber muss kurz halten, bevor der nächste Ring folgt. Kinder ab fünf schaffen das meist allein, jüngere brauchen jemanden, der die Enden kurz festhält, während der Kleber trocknet.
Kleckerfaktor: gering, solange der Klebestift und nicht die Flasche im Einsatz ist.
Tentakel an den Kopf kleben

Die fertigen Ketten werden mit den kleinen Laschen an der Unterseite des Kopfes befestigt, und genau hier zeigt sich, ob die Laschen vorher gut vorbereitet wurden: zu klein, und der Kleber hält nicht; zu groß, und sie gucken vorne raus.
Was du vorbereitest: wenn nötig, die Reihenfolge der acht Ketten schon mal grob anordnen, damit das Kind nicht durcheinanderkommt. Was das Kind selbst macht: jede Kette einzeln nehmen, Lasche mit Kleber bestreichen, andrücken.
Perfekt symmetrisch müssen die Tentakel nicht hängen – ein Oktopus mit schiefen Beinen schwimmt in echt vermutlich auch nicht geradeaus.
Festdrücken und ausrichten

Zum Schluss braucht der Kleber Druck und ein paar Sekunden Ruhe, bevor alles hält. Mit beiden Handflächen über den Kopf streichen, dann die Ketten sanft nach unten ziehen, damit sie gerade hängen – das ist der Moment, in dem aus losen Teilen sichtbar ein Tier wird.
- Kurz festhalten statt sofort loslassen, sonst löst sich die Lasche wieder.
- Ketten glattstreichen, damit keine Ringe verdreht hängen bleiben.
Zehn bis fünfzehn Minuten Trockenzeit flach liegend, dann hält der Kleber zuverlässig – bei uns liegt in der Zeit meist schon der nächste Bastelrest auf dem Tisch, während der Oktopus in Ruhe trocknet.
Fertig: ein Oktopus zum Aufhängen

Am Ende hängt ein lilafarbener Oktopus mit acht sauber geketteten Tentakeln vor mattgrauem Hintergrund – auf dem Foto sieht das nach Kinderzimmerdeko aus, und genau dahin darf er auch. Ich hänge solche Ergebnisse gern mit Wäscheklammer an eine Schnur, statt sie flach abzulegen, dann sieht man die Ketten von beiden Seiten baumeln.
Für unter Dreijährige gilt hier klar: die kleinen Wackelaugen und Papierschnipsel gehören nicht in Reichweite ohne Aufsicht, sie sind verschluckbar. Diese Idee ist ohnehin eher für ältere Kinder gedacht, aber wenn ein jüngeres Geschwisterkind dabeisitzt, behält jemand die Kleinteile im Blick.
Wer die Ketten lieber kürzer mag, nimmt einfach weniger Ringe pro Tentakel – auch mit drei Ringen wackelt so ein Bein noch überzeugend genug.
Fazit
Wenn am Ende acht Ketten schief, aber tapfer vom Kopf herunterhängen, ist das für mich schon ein gelungener Nachmittag – der Rest ist Übungssache, und die kommt mit dem nächsten Regentag von ganz allein.

- Material

Häufige Fragen
Ab welchem Alter klappt der Papieroktopus wirklich allein?
Getestet funktioniert das Kleben der Ketten ab etwa fünf Jahren gut allein, das Schneiden der langen Streifen eher ab sechs oder mit Unterstützung. Jüngere Kinder können Augen, Wangen und Punkte kleben, während der Rest vorbereitet ist.
Was mache ich, wenn die Kettenringe sich immer wieder lösen?
Meist liegt es an zu wenig Kleber oder zu kurzer Trockenzeit unter Druck. Ein Klebestift statt Flüssigkleber hält bei dünnem Tonpapier oft zuverlässiger, und ein paar Sekunden festes Andrücken machen viel aus.
Kann ich die Idee auch in der Kita-Gruppe umsetzen?
Ja, gut sogar, wenn man die Arbeit aufteilt: ein Kind schneidet Laschen, eins klebt Ketten, eins gestaltet das Gesicht. So bleibt die Wartezeit kurz und jedes Kind hat einen Teil, der zu seinem Können passt.







