Ehrlich gesagt sieht unser Freund hier mit den sechs baumelnden Papierketten-Tentakeln eher aus wie eine Qualle als wie ein Oktopus mit acht Armen – aber genau das ist der Grund, warum ich diese Idee mag: sie ist nachsichtig mit der Realität und trotzdem ein richtiger kleiner Wow-Effekt am Fensterbrett. An einem Regennachmittag in Münster haben Mattis und zwei seiner Kita-Freunde diese Anleitung getestet, und die Papierketten waren mit Abstand der Teil, an dem am längsten gesessen wurde. Ich zeig dir genau, wo dein Kind wirklich selbst ranfasst und wo du als Erwachsener schon vorbereitet haben solltest.
Was du für den Papier-Oktopus vorbereitest

Bevor überhaupt geklebt wird, liegt auf dem Tisch schon einiges bereit: ein mintfarbener Tonkarton-Kreis (ca. 18 cm), 18 Papierstreifen in Koralle (ca. 2 x 12 cm), ein Klebestift, eine Bastelschere, ein schwarzer Marker und ausgeschnittenes Papier für Augen und Wangen. Das ist bewusst so, denn das Zuschneiden von Kreis und Streifen braucht eine ruhige Hand und eine scharfe Schere – das mache ich als Erwachsene vor, nicht das Kind.
- Was du vorbereitest: Kreis, Streifen, Augen und Wangen ausschneiden, alles griffbereit hinlegen.
- Was das Kind selbst macht: alles ab jetzt – anordnen, kleben, rollen, verbinden.
Ehrliche Altersangabe vorweg: Diese Idee funktioniert zuverlässig ab 5 Jahren, weil das Formen der Ringe wirklich Geduld braucht. Jüngere Kinder können das Gesicht kleben, während du die Ringe übernimmst.
Erst probelegen, dann festlegen

Im zweiten Schritt wird nichts geklebt, nur gelegt: die zwei weißen Augen im oberen Drittel des Kreises, mit rund 2 cm Abstand zueinander, darunter die beiden runden Wangen. Genau dieses Probelegen ist mein liebster Teil der ganzen Anleitung, weil hier noch nichts endgültig ist.
Ein Kind kann die Augen zehnmal verschieben, bevor es zufrieden ist – und lernt dabei etwas, das man in der Ergotherapie Planungsfähigkeit nennt: erst schauen, dann handeln. Das trainiert nebenbei auch die Auge-Hand-Koordination, weil das Auge einen Abstand einschätzt, den die Hand dann umsetzen muss.
Kinder, die noch überlegen dürfen, bevor der Klebestift kommt, kleben am Ende viel selbstbewusster.
Kleckerfaktor: hier praktisch null. Noch klebt nichts, es liegt nur lose auf dem Karton.
Augen, Wangen und der Mund kommen fest drauf

Jetzt wird es endgültig: Augen und Wangen werden festgeklebt, mit dem schwarzen Marker kommt ein leicht gebogener Mund dazu, und oben landen fünf kleine dunkelgrüne Flecken. Der Klebestift ist hier goldrichtig, weil er nicht tropft und nicht in Kinderaugen brennt – für unter Dreijährige würde ich trotzdem immer dabeibleiben, wenn ein Marker offen auf dem Tisch liegt.
- Kleinere Kinder: Erwachsener zeichnet den Mund vor, Kind fährt mit dem Marker nach.
- Ältere Kinder: zeichnen den Mund frei, auch schief ist völlig in Ordnung.
Trocknungszeit für den Klebestift: kaum nötig, nach ein paar Sekunden Andrücken hält es. Das Gesicht ist damit fertig, und man sieht schon: dieser Blick bleibt der ganze Rest der Anleitung über gleich freundlich.
Aus Streifen werden Ringe – die eigentliche Fingerübung

Hier wird geübt, worum es bei dieser Bastelidee wirklich geht: Jeder Korallstreifen wird an einem Ende mit Klebestift bestrichen und zu einem Ring geschlossen. Insgesamt braucht ihr 18 Ringe – und das ist für kleine Hände tatsächlich Arbeit, weil ein Ring nur hält, wenn beide Enden genau übereinanderliegen, bevor der Klebestift trocknet.
Das übt es: Handkraft beim Zusammendrücken und den Pinzettengriff, weil die Fingerspitzen den Papierstreifen exakt führen müssen. Bei uns hat nach etwa 6 Ringen die Konzentration nachgelassen – völlig normal, dann ist eine kurze Pause dran, bevor es weitergeht.
- Tipp gegen Frust: nicht alle 18 Ringe auf einmal ankündigen, sondern in Portionen von 6 arbeiten.
Kleckerfaktor: niedrig, aber die Finger werden klebrig – ein feuchtes Tuch griffbereit erspart Diskussionen.
Sechs Ketten für sechs Tentakel

Aus den 18 Ringen werden jetzt sechs Ketten zu je drei Ringen – klassisches Papierketten-Prinzip, nur eben nicht für die Wand, sondern für einen Kopf mit Gesicht. Jeder Ring wird durch den vorherigen gefädelt und dann erst geschlossen, das wiederholt sich sechsmal.
Diese Bewegung – ein Ring links, die Verbindung nach rechts durchführen, wieder zurück – lässt Kinder ganz automatisch die Körpermitte kreuzen, weil die eine Hand oft in den Bereich der anderen greifen muss. Das ist genau die Art von Bewegung, die ich in der Praxis früher gezielt eingebaut habe, ohne dass es hier wie eine Übung aussieht.
- Ring öffnen, durch den vorherigen fädeln.
- Enden übereinanderlegen und mit Klebestift schließen.
- Für jeden Tentakel dreimal wiederholen.
Realistische Dauer für alle sechs Ketten: etwa 15-20 Minuten mit Pausen – plant den Rest des Nachmittags also nicht mehr allzu straff.
Tentakel an den Kopf kleben

Die sechs Tentakelketten werden gleichmäßig an die Rückseite des unteren Randes geklebt, mit rund 1,5 cm Abstand zueinander. Genau dieser Abstand ist der Moment, an dem viele Kinder zum ersten Mal aktiv schätzen müssen, statt nur nachzumachen – und das darf ruhig ungleich ausfallen.
Wenn am Ende drei Tentakel eng zusammenkleben und die anderen drei großzügig verteilt sind: ist trotzdem ein Oktopus fertig, kein Grund, noch mal von vorne anzufangen. Genau diese kleinen Unregelmäßigkeiten sind es, die man später am eigenen Basteln erkennt und die viel mehr erzählen als ein perfekt symmetrisches Ergebnis.
- Für die Kita-Gruppe: gut geeignet, wenn jedes Kind seine sechs Ketten selbst mitbringt und nur der Kopf gemeinsam bestückt wird.
Gut andrücken und die Tentakel ausrichten

Jetzt kommt der Schritt, den man leicht vergisst, weil er unspektakulär aussieht: Alle Klebestellen etwa 10 Sekunden festhalten, damit der Klebestift wirklich fasst, und die sechs Tentakel danach nach unten ausrichten, damit sie gleichmäßig hängen.
Die zehn Sekunden Geduld am Ende retten mehr Bastelprojekte als jeder teure Kleber.
Ich zähle mit Mattis dabei oft laut mit – nicht weil es nötig wäre, sondern weil das Zählen die Wartezeit für ein Vierjähriges Kind erträglich macht. Wer merkt, dass ein Ring sich trotzdem wieder löst: einfach noch einmal mit dem Klebestift nachziehen und erneut drücken, kein Drama.
Fertig – und wohin damit?

Sobald alles trocken ist, hängt euer Papier-Oktopus mit seinen sechs Papierketten-Tentakeln als Fenster- oder Wanddeko und macht bei jedem Luftzug eine kleine Show. Nach dem Test mit drei Kita-Kindern kann ich sagen: die Gesichter waren alle unterschiedlich schief und schön, die Tentakel unterschiedlich lang – und genau das war der Teil, über den am meisten gelacht wurde.
Als Erinnerung, weil es bei jedem Klebeprojekt gilt: kleine Papierkreise, Marker und Klebestift gehören nicht in Kindermünder, deshalb bei ganz kleinen Geschwistern im Raum lieber die losen Teile wegräumen, solange nicht gebastelt wird.
Am Ende hängt bei uns ein Oktopus im Fenster, der eigentlich eher wie eine Qualle aussieht und dessen Tentakel alle unterschiedlich lang geworden sind – und genau so ein Ergebnis darf bei euch auch entstehen. Was am meisten bleibt, ist ohnehin nicht der perfekte Kopf, sondern die Erinnerung an drei Kinder, die sich um den Klebestift gestritten haben.

- Material
- Werkzeug

Häufige Fragen
Ab welchem Alter klappt der Papier-Oktopus mit Papierkette wirklich?
Getestet und zuverlässig ab 5 Jahren, weil das Schließen der 18 Ringe präzises Greifen braucht. Jüngere Kinder gestalten gut das Gesicht, während ein Erwachsener die Ringe übernimmt.
Was tun, wenn sich ein Ring wieder öffnet?
Einfach noch einmal Klebestift auftragen und die Enden erneut etwa 10 Sekunden fest zusammendrücken – das reicht fast immer aus.
Eignet sich die Idee auch für die Kita-Gruppe?
Ja, gut sogar: Jedes Kind kann seine eigenen sechs Papierketten bauen, während der Kopf gemeinsam am Tisch fertiggestellt wird.
Wie lange muss der Klebestift trocknen?
Praktisch gar nicht – nach dem festen Andrücken für rund 10 Sekunden hält jede Klebestelle sofort.







