Ein Origami-Hasengesicht sieht auf den ersten Blick aus wie eine Fünf-Minuten-Sache – ist es aber nicht, wenn ein Kind wirklich selbst falten soll. Ich hab diese Anleitung mit Mattis an einem verregneten Nachmittag durchgespielt, bevor sie hier gelandet ist, und die ehrliche Ansage vorweg: Das ist eine Falt-Anleitung für Kinder ab etwa fünf Jahren mit Anleitung daneben, jüngere falten mit, drücken die Linien nach und malen am Ende das Gesicht. Die sieben Schritte sind genau die, die auf den Karten unten zu sehen sind – nichts wird abgekürzt, nichts schöngeredet.
Die Grundform: aus dem Quadrat wird ein Dreieck

Auf dem ersten Zettel liegt ein einfaches Papierquadrat als Raute vor euch, die gestrichelte Linie zeigt schon, wohin die Reise geht. Die untere Spitze wandert zur oberen Spitze – ein einziger Faltvorgang, aber genau hier entscheidet sich, ob am Ende alles symmetrisch wird.
- Papier: ein Quadrat, 15x15 cm oder 20x20 cm, größere Blätter sind für ungeübte Finger deutlich freundlicher
- Falzen: mit dem Fingernagel oder Daumen fest über die Kante fahren, das macht die spätere Falte sauberer
- Kontrolle: beide Spitzen sollten exakt übereinanderliegen, sonst zieht sich die Schräge durch alle nächsten Schritte
Das übt es: die Handkraft und den Pinzettengriff, wenn die Fingerspitzen die Kante entlangfahren – für viele Fünfjährige ist genau dieser feste, gleichmäßige Druck noch neu.
Die Mitte markieren, ohne sie zu behalten

Auf dem zweiten Bild liegt jetzt ein großes Dreieck vor euch, die Spitze zeigt nach oben. Jetzt kommt ein Faltschritt, der Kindern oft unlogisch vorkommt, weil er wieder rückgängig gemacht wird: das Dreieck mittig falten und sofort wieder öffnen.
Diese Mittellinie ist keine fertige Falte, sondern eine Orientierungshilfe für die beiden nächsten Schritte – ohne sie würden die Ohren später schief sitzen. Bei Mattis war genau das der Moment, in dem die Frage kam, warum wir etwas falten, das gleich wieder aufgeht. Eine gute Frage, ehrlich gesagt, und eine ehrliche Antwort: weil Papier sich merkt, wo es schon mal gefaltet wurde, auch wenn man es wieder öffnet.
Eine Mittelfalte, die man wieder öffnet, ist kein verschwendeter Schritt – sie ist die Linie, an der sich alles Weitere ausrichtet.
Das erste Ohr: die linke Ecke schräg nach oben

Jetzt wird es auf dem dritten Foto sichtbar, warum die Mittellinie so wichtig war: Die linke Ecke des Dreiecks wird schräg nach oben gefaltet, entlang der gestrichelten Linie, die genau an der vorher markierten Mitte ansetzt. Es entsteht ein spitzes Dreieck, das schon deutlich nach Hasenohr aussieht.
Was hier oft schiefgeht: Kinder ziehen die Ecke zu weit nach rechts, weil sie das Gesamtbild noch nicht im Kopf haben. Kein Problem – einfach wieder aufklappen und neu ansetzen, Papier verträgt zwei, drei Versuche, bevor die Falte weich wird.
- Ecke an der Mittellinie ausrichten, nicht am Gefühl
- langsam falten, nicht in einer Bewegung durchziehen
- ruhig noch mal nachfalzen, wenn die Kante nicht scharf sitzt
Das zweite Ohr: jetzt wird's symmetrisch

Die rechte Seite folgt auf dem vierten Bild demselben Prinzip, nur gespiegelt: Ecke nach oben, entlang der gestrichelten Linie, bis das zweite Ohr dem ersten gegenübersteht. Erst jetzt, wenn beide Ohren nebeneinander liegen, sieht man, ob Schritt zwei wirklich sauber in der Mitte lag.
Realistische Dauer an dieser Stelle: Für Kinder ab fünf ist das der Punkt, an dem die Konzentration meist schon zehn bis fünfzehn Minuten gehalten hat – wenn jetzt eine Pause kommt, ist das völlig normal und das Papier hält die Form, bis ihr weitermacht.
Das übt es: Auge-Hand-Koordination und das Vergleichen von zwei Seiten – ein kleiner Schritt in Richtung Symmetrie-Verständnis, das später auch beim Schreiben und beim Basteln mit Vorlagen hilft.
Umdrehen und den Hasen von der anderen Seite sehen

Fünftes Bild, kleiner Trick mit großer Wirkung: das ganze Modell einmal umdrehen, so wie die Pfeile im Kreis es zeigen. Was bisher die Rückseite war, wird jetzt die Vorderseite – und plötzlich steht da schon ein klarer Hasenkopf mit zwei aufrechten Ohren, nur das Gesicht fehlt noch.
- Für Kita-Gruppen: dieser Schritt lässt sich gut gemeinsam machen – alle drehen ihr Papier auf Kommando, das gibt einen kleinen Synchronmoment am Basteltisch
- Kleckerfaktor: praktisch null, es klebt noch nichts, also ist das ein Schritt, der auch auf dem Küchentisch ohne Unterlage funktioniert
Wenn die Ohren an dieser Stelle nicht gleich hoch sind – lassen. Das fällt später kaum auf und ist kein Grund, von vorn anzufangen.
Die obere Spitze verschwindet nach hinten

Auf dem sechsten Zettel zeigt der Pfeil nach unten und nach hinten: Die obere Spitze der Form wird nach hinten gefaltet, entlang der gestrichelten Linie knapp unterhalb der Ohren. Damit bekommt der Hasenkopf oben eine gerade Kante statt einer Spitze – genau die Form, die man von einem Hasengesicht erwartet.
Diese Falte geht nach hinten, ist also von vorn nicht mehr zu sehen. Für Kinder ist das manchmal ein kleiner Aha-Moment: eine Falte, die das Ergebnis verändert, ohne dass man sie am Ende noch findet. Genau solche unsichtbaren Handgriffe sind es, die Origami für Grundschulkinder besonders spannend machen, weil sie ein bisschen wie ein Geheimnis wirken.
Die untere Spitze folgt demselben Prinzip

Siebtes Bild, letzter reiner Faltschritt: Die untere Spitze wird ebenfalls nach hinten gefaltet, diesmal von unten nach oben, wieder entlang einer gestrichelten Linie. Danach liegt vor euch die fertige Grundform des Hasenkopfs – ein Sechseck mit zwei Ohren oben, ohne überstehende Spitzen unten oder oben.
- Falte ansetzen an der gestrichelten Linie knapp über der unteren Kante
- nach hinten klappen, nicht nach vorne, sonst verdeckt die Spitze später das Gesicht
- fest nachfalzen, damit die Form beim Bemalen nicht wieder aufspringt
Wer möchte, klebt diese letzte Falte mit einem Klecks Bastelkleber fest – bei dünnerem Papier hält sie sonst manchmal nicht von selbst.
Das Gesicht: der Teil, den jedes Kind allein macht

Das achte Bild zeigt das fertige Ergebnis, und genau hier verschiebt sich die Aufgabe komplett: Falten war eher die Erwachsenen- oder Gemeinsam-Arbeit, das Gesicht ist der Teil, den ein Kind wirklich allein gestalten kann. Zwei ovale Augen, ein kleiner dunkler Mund, eine rosa oder rote Nase in der Mitte – fertig ist der Hase.
Was du vorbereitest: das fertig gefaltete Papier und ein paar Stifte oder Papierreste für die Nase.
Was das Kind macht: das komplette Gesicht malen oder aufkleben, in genau der Form und Größe, die ihm gefällt.
Es muss nicht symmetrisch werden. Ein Hase mit schief sitzender Nase oder viel zu großen Augen ist bei uns genauso oft an der Wand gelandet wie ein akkurater – und war meistens der, über den am Ende am meisten gesprochen wurde.
Am Ende steht ein kleiner Papierhase mit aufrechten Ohren auf dem Tisch, und ehrlich gesagt ist mir wichtiger, dass die Ecken beim eigenen Falten überhaupt zusammenkamen, als dass jede Linie perfekt sitzt. Für Ostern klebt der Hase bei uns aufs Fenster, für Regentage reicht auch einfach der Küchentisch.

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Was Leser oft fragen
Ab welchem Alter kann mein Kind das Origami Hase Gesicht wirklich selbst falten?
Selbstständig, mit Anleitung Schritt für Schritt, funktioniert das realistisch ab etwa fünf Jahren. Jüngere Kinder falten gemeinsam mit einem Erwachsenen und übernehmen dann komplett das Gesicht am Ende – das ist kein Kompromiss, sondern der ehrliche Anteil, den sie in dem Alter leisten können.
Welches Papier eignet sich am besten für diese Origami-Anleitung?
Ein quadratisches Blatt Papier zwischen 15x15 und 20x20 cm, nicht zu dünn und nicht zu dick – normales Druckerpapier oder etwas festeres Tonpapier falten sich für Kinderhände am angenehmsten. Sehr dünnes Papier reißt bei den Ecken schnell ein, sehr dickes lässt sich schwer scharf falzen.
Was mache ich, wenn eine Falte beim Kind schiefgegangen ist?
Einfach wieder öffnen und neu ansetzen – Papier verträgt mehrere Faltversuche, bevor es unschön wird. Bei den beiden Ohr-Falten (Schritt drei und vier) hilft es, sich noch einmal an der Mittellinie aus Schritt zwei zu orientieren.







