Draußen regnet es schon wieder das dritte Mal diese Woche, und die Weihnachtskarten für Oma und Opa müssen trotzdem raus. Diese Karte hier war unser Testlauf am Küchentisch: zwei geschwungene Linien, dazu bunte Lichter, die nicht gemalt, sondern mit dem Wattestäbchen aufgetupft werden – das macht aus zittrigen Kinderhänden auf einmal ziemlich überzeugende Weihnachtsbeleuchtung. Ich zeig dir genau, welchen Teil du übernimmst und welchen dein Kind wirklich allein schafft.
Das Material für die Lichterkette

Bevor irgendjemand einen Pinsel oder ein Wattestäbchen in die Hand nimmt, wird erst mal alles auf den Tisch geräumt. Für diese Karte brauchst du wirklich wenig, und das meiste liegt sowieso schon in der Bastelschublade.
- Eine weiße Klappkarte oder festes weißes Papier als Grundlage
- Einen schwarzen, wasserfesten Filzstift für die Linien
- Wattestäbchen – aus dem Bad, günstig im Drogeriemarkt
- Fünf Farbtöpfchen in Grün, Gelb, Orange, Blau und Rot
Ein Wort zur Sicherheit, weil ich es an dieser Stelle sagen muss: Wattestäbchen sind für Kinder unter drei Jahren kein Selbstläufer, die Enden können abgehen und landen erfahrungsgemäß schnell im Mund. Bei uns bleibt deshalb während des ganzen Bastelns jemand direkt am Tisch sitzen, egal wie sicher sich Mattis mit vier schon fühlt.
Die erste Lichterkette vorzeichnen

Diese Linie zeichne ich, nicht das Kind – und das ist völlig in Ordnung. Eine gleichmäßig geschwungene Kurve mit dem Filzstift zu ziehen braucht eine Stiftführung, die mit drei oder vier Jahren einfach noch nicht da ist, und ein zittriger Zickzack sieht dann eher nach Erdbeben als nach Girlande aus.
Ich mache das gern schon am Vorabend, wenn die Kinder im Bett sind, dann ist der aufregende Teil für den nächsten Nachmittag reserviert. Was du vorbereitest: beide Linien und die kleinen Fassungen. Was das Kind macht: alles, was danach mit Farbe passiert.
In der Praxis nenne ich das den ehrlichen Anteil – nicht jeder Schritt muss vom Kind kommen, damit es am Ende trotzdem sein Bild ist.
Zweite Girlande und kleine Fassungen

Jetzt kommt die zweite Welle dazu, plus die kleinen Striche darunter – das sind die Fassungen, in die später die Lämpchen kommen. Auch das ist reine Erwachsenenarbeit, aber sie entscheidet, wie leicht der nächste Schritt für dein Kind wird: Je klarer die Markierungen, desto einfacher findet ein Dreijähriger die richtige Stelle für den Farbtupfer.
- Kleiner Trick: Die Fassungen etwas größer zeichnen als nötig, das gibt beim Tupfen Spielraum
- Für die Kita: Die Linien für mehrere Karten vorab in einer Ruhigen Minute vorzeichnen, dann sitzt am Basteltag nur der bunte Teil an
Zwei Wellenlinien, doppelte Fassungen – die Karte ist jetzt bereit für Farbe, und genau hier übernimmt normalerweise das Kind.
Das erste Lämpchen tupfen

Hier beginnt der eigentliche Teil des Kindes, und er ist kleiner als man denkt, aber wirklich wichtig: Wattestäbchen in die blaue Farbe tauchen, kurz abtupfen, dann mit einem gezielten Punkt auf der Fassung landen. Das übt es: den Pinzettengriff, weil das Stäbchen zwischen zwei, drei Fingern gehalten wird, und die Auge-Hand-Koordination, weil der Punkt genau auf die kleine Markierung soll, nicht daneben.
Bei Mattis hat der erste Punkt gesessen, der zweite lag schon einen Zentimeter tiefer – das ist normal und muss auch so bleiben. Eine schiefe Fassung macht aus der Lichterkette kein Problem, sondern nur ein echtes Kinderbild.
Bunte Lämpchen auf die obere Kette

Jetzt wird es bunt: grün, gelb, orange, rot – Farbe für Farbe wandert das Stäbchen über die obere Linie. Ich lasse hier bewusst keine feste Reihenfolge vorgeben, Kinder finden von selbst einen Rhythmus, und der ist meistens interessanter als jede Vorlage.
- Ein Wattestäbchen pro Farbe verwenden, sonst wird aus Rot schnell Braun
- Locker auftupfen, nicht drücken – sonst verwischt der Punkt in die Fassungslinie
- Ruhig unregelmäßig lassen, das sieht auf der fertigen Karte trotzdem nach echter Lichterkette aus
Realistisch gerechnet ist nach etwa zehn Minuten konzentriertes Tupfen erst mal Schluss – dann ist eine kurze Pause mit Keks, der die Farbtöpfchen aus sicherer Entfernung beäugt, genau richtig.
Die untere Lichterkette wird bunt

Die zweite Reihe geht meistens schneller, weil das Prinzip jetzt sitzt: Farbe holen, tupfen, nächste Fassung. Manche Kinder wollen hier plötzlich Muster erkennen und jede Farbe wiederholen, andere greifen einfach zum nächstbesten Töpfchen – beides ist richtig, weil es beim Prozess bleibt und nicht beim perfekten Ergebnis.
Kleckerfaktor: mittel. Die Farbe bleibt meist auf der Karte und den Fingern, seltener auf dem Tisch – eine alte Zeitung oder ein Wachstischtuch drunter, und die Aufräumzeit bleibt bei unter fünf Minuten. Für die Kita-Gruppe lohnt sich pro Kind ein eigenes kleines Farbset, damit nicht fünf Wattestäbchen gleichzeitig in einem Töpfchen landen.
Der Schriftzug MERRY CHRISTMAS

Den Gruß schreibe ich wieder selbst, weil gleichmäßige Druckbuchstaben auf einer schmalen Zeile eine Graphomotorik brauchen, die erst in der Grundschule richtig trainiert wird. Ein Kindergartenkind darf hier aber gern mit dem Finger die Buchstabenform in der Luft nachfahren, während ich schreibe – das ist keine Pflicht, nur ein netter Nebeneffekt.
Variante für ältere Kinder
Ein Grundschulkind kann den Schriftzug selbst vorzeichnen lassen und dann nachfahren, oder gleich einen eigenen kürzeren Gruß wie „Frohe Weihnachten“ wählen. Bei jüngeren Kindern bleibt der Text komplett bei dir, das Bunte gehört ihnen trotzdem ganz allein.
Die fertige Karte

Flach hingelegt sieht man erst richtig, wie gut die beiden Lichterketten mit ihren schiefen, unterschiedlich großen Punkten funktionieren – genau diese Unregelmäßigkeit macht sie glaubwürdig, eine Maschine hätte das nie so gemacht. Die Karte braucht etwa zwanzig Minuten flach liegend zum Antrocknen, bevor sie geknickt oder ins Kuvert gesteckt wird, sonst verschmiert die Farbe an den Fassungen.
Diese Version wandert bei uns zu Oma und Opa, aber sie taugt genauso gut als Anhänger am Geschenk oder, in kleinerem Format, als Karte für den Adventskalender einer ganzen Kindergartengruppe – jedes Kind tupft seine eigene Lichterkette, und am Ende hängt ein ganzer Raum voller unterschiedlicher Weihnachtsbeleuchtung.
Am Ende lag die Karte bei uns zum Trocknen auf der Fensterbank, zwischen Laternen-Resten von St. Martin, die es immer noch nicht in die Kiste geschafft haben – und Mattis hat dreimal nachgefragt, ob die Farbe schon trocken genug ist, um sie ins Kuvert zu stecken. Manchmal ist das schon der schönste Beweis, dass ein Bastelnachmittag funktioniert hat.

- Material

Häufige Fragen
Ab welchem Alter können Kinder diese Karte wirklich selbst mitgestalten?
Getestet und wirklich machbar ist das Tupfen ab etwa drei Jahren, wenn die Fassungen als Orientierung vorgezeichnet sind. Mit zwei Jahren gelingt es auch, dann wird aus den einzelnen Lämpchen aber eher eine bunte Wolke – das ist völlig in Ordnung, nur solltest du dann die Linien großzügiger vorzeichnen.
Ist die Farbe für kleine Kinderhände unbedenklich?
Verwende ausschließlich kindgerechte, als ungiftig gekennzeichnete Farbe, wie sie in Fingerfarb- oder Temperafarbsets für Kinder üblich ist. Sie geht auf Haut und den meisten Textilien gut wieder ab, trotzdem lohnt sich eine Malschürze oder ein altes T-Shirt.
Funktioniert die Karte auch in einer Kita-Gruppe?
Ja, sehr gut, wenn du die Linien für alle Kinder vorher vorzeichnest und jedes Kind ein eigenes kleines Set an Farbtöpfchen bekommt. So sitzt am Basteltag nur noch der bunte Teil an, und die Wartezeit auf freie Farbtöpfchen fällt weg.
Was mache ich, wenn die Fassungen beim Tupfen nicht getroffen werden?
Gar nichts – die Lämpchen dürfen neben der Linie sitzen, das sieht auf der fertigen Karte trotzdem wie eine Lichterkette aus. Wer es unbedingt korrigieren möchte, kann später mit dem Filzstift eine kleine zusätzliche Fassung um den verrutschten Punkt ziehen.




